Geniesst ihr es auch so sehr abends im Bett mit euren Kindern zu kuscheln, noch einmal über das Erlebte zu schwatzen und anschließend den Tag mit einer Gute Nacht Geschichte ausklingen zu lassen? Meine Töchter und ich hatten eine Hand voll schöner Geschichten, die ich nach dem hundersten Mal auswendig und die Kinder mitsprechen konnten. Die Suche nach neuen schönen Geschichten zum Einschlafen erwies sich dabei jedes Mal als ziemlich schwierig, immerhin mussten 3 Geschmäcker berücksichtigt werden. Die eine wollte es lustig, die andere niedlich und die dritte im Bunde wollte auch noch so etwas wie ein gewisses Niveau. Oft blieb mir nichts anderes übrig, als mir diese perfekte Geschichte einfach selbst auszudenken.  Kennt ihr das auch? Falls ihr auch jeden Abend ein Improvisationstheater für eure Kinder veranstalten müsst, kann ich euch hier vielleicht einen rettenden  Stern am Horizont bieten. Heute poste ich für euch eine kleine Gute Nacht Geschichte, die ihr garantiert noch nicht im Schrank stehen habt. Schreibt mir doch in den Kommentaren, ob euch diese Idee gefällt und ihr mehr davon wollt.

Viel Spaß und eine gute, gemütliche Nacht!

So ein Mist aber auch!

Unter der Brombeerhecke im Garten wohnt die kleine Schnirkelschnecke Monika Häuschen. Am liebsten mag sie duftende Gänseblümchen und ihren allerbesten Freund, den Regenwurm Schorsch. Jeden Tag bekommen die Beiden Besuch vom gelehrten Graugänserich Herrn Günter. Dann picknicken alle zusammen im Salatbeet. „O!“, schnatterte Herr Günter an diesem Tag. „Heute habe ich aber einen außergewöhnlich großen Hunger!“ „Sie haben doch immer außergewöhnlich großen Hunger“, brummte Schorsch und bekam gleich schlechte Laune. Er hatte nämlich Angst, dass der Gänserich ihm wieder alles wegfuttern würde. Monika aber rührte ihr Salatblatt nicht an.. „Ich finde“, sagte sie, „der Salat riecht komisch!“ Schorsch schnüffelte im Beet herum. „Es ist nicht der Salat!“, stellte er schließlich fest. „Bestimmt sind Sie in etwas reingetreten, Herr Günter!“, vermutete Monika. Erschrocken guckte der Gänserich unter seine Gänseflossen, aber die waren sauber. „Hier stinkt’s trotzdem“, meckerte Schorsch. Im Garten roch es wirklich nicht gerade fein.
Endlich entdeckte Herr Günter die Ursache. In der Ecke stand eine dampfende Schubkarre. „Der strenge Geruch kommt von den Pferdeäpfeln da drüben“, erklärte der Gänserich seinen Freunden. „Ich esse Äpfel sehr gern“, versicherte Monika und das Wasser lief ihr im Mund zusammen. „Du musst mir aber was abgeben“, schimpfte Schorsch, der schon wieder Angst hatte, zu kurz zu kommen.
„Pferdeäpfel werden doch nicht gegessen! Im Gegenteil!“, belehrte sie der Gänserich. Monika überlegte, was das Gegenteil von Essen sein könnte. Vielleicht trinken? Sofort hielt Herr Günter einen seiner berühmten Schlaubergervorträge: „Wenn eine Speise zerkaut und heruntergeschluckt wurde, gelangt sie in den Bauch. Dort werden alle wichtigen Stoffe herausgenommen und genutzt. Übrig bleiben dann Abfallprodukte.“ „Was denn für Abfallprodukte?“, wunderte sich die kleine Monika. „Na das, was hinten wieder raus kommt!“, kicherte Schorsch. „Iiiii! Dann sind das ja Pferdehäufchen!“, rief Monika entsetzt. „Das verdirbt mir den Appetit“, stimmte ihr Schorsch zu. „Dann habt ihr keine Ahnung“, mischte sich der blau schillernde Mistkäfer Müffel ein. „Mist ist so ziemlich das Feinste und Gesündeste, was es gibt!“, erklärte er und biss mit großem Appetit in einen Batzen Mist. „Pfui!“, rief Monika. Wie konnte jemand Häufchen essen! Und über Häufchen reden wollte Monika auch nicht. Dabei machen wirklich alle Tiere Häufchen. Schnecken fabrizieren ganz winzige Würstchen, Regenwürmer kleine gekringelte Häufchen, Gänse machen Kleckse, Hasen runde Köttel, Elefanten dicke große Klöße und auch Menschen müssen auf die Toilette. Das ist ganz natürlich!
„Ich tapeziere sogar meine Wände mit Mist“, behauptete Müffel stolz. Monika kroch ein Stück von ihm weg. Sie hatte Angst, ihr blankes, gelbbraun gebändertes Häuschen könnte schmutzig werden. Dabei hätte Müffel so gern mit Monika und Schorsch gespielt. „Seht mal“, rief er. „Ich kann aus Mist sogar Kugeln rollen!“ Dabei dribbelte er mit einem Mistball. Schorsch drehte dem Mistkäfer beleidigt sein Regenwurmschwanzspitzenzipfelchen zu. „Mit so einem Schmutzfink wollen wir nichts zu tun haben!“ Monika verzog sich sogar in ihr Schneckenhäuschen. Müffel wurde ganz traurig. Weil niemand mit seinem schönen Mistball spielen wollte, futterte er ihn auf. Aber das tröstete ihn leider auch nicht.
Zum Glück erklärte Herr Günter: “Mistkäfer sorgen für Ordnung und Sauberkeit. Stellt euch vor, niemand würde im Wald den Abfall der vielen Tiere beseitigen!“ „Oje“, wurde Monika klar, „dann würden ja überall riesige Häufchenhaufen herumliegen!“ „Mhm“, musste selbst Schorsch zugeben. „Das wäre ziemlicher Mist!“ Monika kroch wieder aus ihrem Häuschen heraus und stellte fest: „Wie gut, dass es Mistkäfer wie Müffel gibt!“. Das fanden auch die anderen und sie beschlossen, gemeinsam ein Picknick zu machen.
„Eins versteh ich trotzdem nicht“, meckerte Schorsch. „Wie kann man sich als Lieblingsspeise ausgerechnet Mist aussuchen?“ „Ist doch ganz klar“, erklärte Müffel. „Mist mag außer mir keiner und so frisst mir niemand etwas weg!“ Und das war wirklich schlau, denn der Gänserich hatte soeben das allerletzte Salatblatt verputzt. Da konnte Schorsch bloß noch schimpfen: „So ein Mist aber auch!“

* ENDE *

Die ganze Geschichte mit den originalen Stimmen von Monika, Schorsch und Herrn Günter könnt ihr in „Warum mögen Mistkäfer Mist?“ hören.

6 Mistkaefer

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